Bharatanatyam – Indischer Tanz in Deutschland

Erste Ideen und Überlegungen, einen Film dieser Art zu verwirklichen, gehen zurück auf eine Indienreise vor knapp zwei Jahren, die mit einem Aufenthalt in einer Tanzschule im südindischen Cochin (Kerala) endete. Bharatanatyam, dessen Inhalte zumeist eine Umsetzung von hinduistischen Mythen und Göttergeschichten widerspiegeln, gehört zu den ältesten und traditionsreichsten klassischen Tanzstilen des Subkontinents. Ehemals im Tempel verortet, hat er sich über die Jahrhunderte hinweg zu einer Bühnenperformance mit breiterer Zuschauerschaft entwickelt. Über die Grenzen Indiens hinaus scheint der Tanz heutzutage eine Verbindung herzustellen zwischen Menschen verschiedener Kulturkreise.

Der Film ist ein Versuch, Einblicke zu bekommen in die Alltagswelt des Tanzens, des Lehrens, des Unterrichtet-Werdens. Er zeichnet das Porträt zweier Frauen, die jede für sich einen ganz bestimmten Zugang gefunden haben zu Bharatanatyam. Über die performativ-ästhetische Ebene hinaus interessiert dabei die Auseinandersetzung mit den hinter dem Tanz stehenden Philosophien und Diskursen und die Frage, welche Bedeutung Tänzer oder Lehrende hier in Deutschland einer Ausdrucksform beimessen, deren Wurzeln nicht in der eigenen, sondern einer fremden Kultur zu finden sind. Bezieht man sich mit seiner Darstellung auf Strukturen und soziale Realitäten im südasiatischen Kontext oder gibt es vielleicht eine „Übersetzung“ in unsere Kultur? Sprechen die Fragen dieses indischen Tanzes, die über religiöse Inhalte versuchen, mögliche Interpretationen von menschlichen Handlungsweisen, von Moral- und Wertevorstellungen zu geben, eventuell teilweise auch  Lebenswelten westlicher Kulturen an? Oder ist hier Tanz vielleicht einfach „nur“ reiner Tanz?

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The film, inspired by a trip to India leading to a dance school in Chochin, Kerala (South India), looks into the ways the classical south Indian dance style Bharatanatyam is performed, taught and conceived of in Germany. Not only does it depict dance performances, but it also tries to find answers to questions about the philosophy and discourses related to the dance. Furthermore, this portrayal of two women dancing Bharatanatyam discusses the role the south Indian origin of the dance inhabits for performers and teachers in Germany. Do they translate the south Asian context into the German life world? Is dance here really “only” dance?

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