Anthropology Calling: PD Dr. Ulrich Oberdiek

PD Dr. Ulrich Oberdiek begann sein Studium der Ethnologie, Indologie und Religionswissenschaft im Jahre 1981. Am Anfang seiner mittlerweile fast 25 Jahre währenden Lehrtätigkeit, damals noch ohne feste Stelle, habe er sich immer so mit Lehraufträgen und Stipendium „durchgehangelt“. Inzwischen erfreut er sich als Privatdozent einer großen Zahl an Studierenden, die jedes Semester in seine Seminare kommen.

Nina Dengg and Katja Klop from Anthropology in Motion recently met PD Dr. Ulrich Oberdiek to talk to him about our question “Why Anthropology Today?!”. Mr. Oberdiek started his studies in 1981 and now looks back to almost 25 years of teaching and researching

Beschreiben Sie bitte Ethnologie in drei Worten.
Kultur der Anderen. Kulturvergleich. Kulturverständnis.

Wie kam es dazu, dass Sie Ethnologe geworden sind?
Ethnologie hat mich schon früh interessiert. Zu Hause hatten wir ein Buch mit Fotografien aus aller Welt, in dem alles Mögliche Exotische abgebildet war. Das habe ich als kleiner Junge viele Male durchgeblättert. Ich bin schon immer etwas anders gewesen als die sogenannten „Normalbürger“. Mich haben immer etwas abseitsliegende Dinge interessiert. „Abseits“, das heißt das „Andere“. Dieses „Andere“ zu verstehen und es ins Verhältnis mit dem Eigenen zu setzen, hat mich dabei sehr begeistert.

Wie haben Sie Ihren Forschungsschwerpunkt gefunden?
Ich wusste schon bevor ich mein Studium begonnen habe, welche Fächer ich studieren will. Mir war das schon Jahre vorher klar: Ethnologie als Hauptfach und als Nebenfächer Indologie und Religionswissenschaft, das hat mich am meisten interessiert. Indien hat mich auch schon immer begeistert, weil es wirklich etwas sehr Anderes ist. Lange Zeit fand ich auch den Hinduismus inhaltlich interessanter als unsere eigene Kultur.

Was ist die häufigste Reaktion auf „Ich bin ein Ethnologe“?
Näheres Nachfragen, was das denn ist. Auch wozu es dient.

In welchen Bereichen ist Ethnologie heutzutage wichtig?
Wir leben in einer Kultur („westliche Kultur“), die westliche Wissenschaften entwickelt hat. Dazu gehört zum Beispiel auch die Soziologie, die sich um ein Verständnis und eine Analyse des Eigenen oder der eigenen Kultur bemüht. Oder auch die Psychologie, die sich um ein Verständnis der Einzelperson, der Persönlichkeit bemüht. Und die Ethnolog*innen bemühen sich eben um das Verständnis anderer Kulturen. Das sind also alles Bestandteile unserer Gesamtkultur und wenn man da einen wesentlichen Punkt herausschneidet, wie hier zum Beispiel das Verstehen des Anderen, dann kann das zu unangenehmen Folgen führen, politischen, auch internationalen Konflikten zum Beispiel. Für mich ist wissenschaftliche Erkenntnis ein wesentlicher Punkt.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
Hoffentlich noch arbeitend. Es macht mir Freude. Ich bin ja hier schon der Älteste und muss auch bald aufhören, wegen dieser Rentenaltersgeschichte. Aber ich möchte forschend, auch etwas lehrend, weiter machen und das werde ich versuchen, so lange es geht. Auch möchte ich weiterhin veröffentlichen.

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