An anonymous soon-to-be anthropologist reveals his thoughts

Unser heutiger Interviewpartner für unsere Reihe über den Sinn von Ethnologie studiert Geschichte und Ethnologie im 7. Semester. Er möchte gerne anonym bleiben, ist aber der Redaktion namentlich bekannt. Nina Dengg hat ihn getroffen.

Today’s interview partner for “Why Anthropology Today” would like to remain anonymous (name is known to the editors).

Bitte beschreibe Ethnologie ein drei Worten!
Leitwissenschaft, Selbstreflexion, Denken über den eigenen kulturellen Tellerrand hinaus.

Wie kam es dazu, dass du Ethnologie studierst?
Das war eigentlich gar nicht so sehr beabsichtigt. Eigentlich wollte ich Maschinenbau studieren, ich hatte auch schon die Zusage für Maschinenbau. Dann habe ich aber einen Studienplatz für Geschichte bekommen, dazu brauchte ich noch ein Nebenfach und daraufhin habe ich auf der Internetseite der Uni nachgelesen, was es da so im Angebot gibt. Dort habe ich etwas gesehen, das hieß Ethnologie, das klang interessant, das hatte ich noch nie gehört, und dann habe ich mir das mal näher angeguckt. Ich habe mich einfach mal dafür eingeschrieben und war dann bei der ersten Vorlesung und da hat es mir so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin. Inzwischen ist es mein zweites Hauptfach.

Was sind die häufigsten Reaktionen auf „Ich studiere Ethnologie“?
„Boah, cool echt?“ oder „Was ist das? Hab ich noch nie gehört“ und „Ist das irgendwie sowas mit exotischen Völkern?“.

In welchen Bereichen ist Ethnologie heute wichtig?
Ethnologie ist heute in sehr vielen Bereichen wichtig. In so vielen Bereichen, wie ich mir das vorher nicht hätte vorstellen können. Gerade als ich anfing zu studieren, hätte ich nie gedacht, dass Ethnologie und Geschichte inzwischen derart verzahnt sind, aber wenn ich mir so anschaue, was die Professoren in Geschichte so machen, dann sehe ich, dass sie sehr viel auf Theorien aus der Ethnologie zurückgreifen: auf alles Mögliche, von Marshall Sahlins bis zu Performanztheorien. Sie beziehen sich auf Philosophen wie Michel Foucault, die ja auch sehr stark beeinflusst durch die Ethnologie wurden. In der Soziologie auch, Pierre Bourdieu hat mit ethnographischen Methoden gearbeitet, eigentlich sein ganzes Wirken hindurch.
Ich habe gesehen: Sogar die Bundeswehr beschäftigt inzwischen Ethnolog*innen als interkulturelle Einsatzberater.
In den Medien ist Ethnologie in Deutschland noch nicht so angekommen, das ist schade. Einer Kommilitonin zufolge ist das in Skandinavien inzwischen anders, in Norwegen sind regelmäßig Ethnolog*innen im Fernsehen.
Ethnologie ist ein Fach, ohne dessen Erkenntnisse die Postmoderne wahrscheinlich nicht zu denken gewesen wäre. Und natürlich haben die Erkenntnisse von Ethnolog*innen viel zu dem heutigen Bild der Welt beigetragen, insbesondere, was wir von anderen Kulturen halten, dass wir eben verstehen, dass nicht alles „primitiv“ und andersartig ist. Der Einfluss der Ethnologie auf die Welt, wie wir sie heute sehen, ist schon enorm, sie hat unser Weltbild absolut beeinflusst.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Das ist eine schwierige Frage. Ich habe verschiedene Ideen, was ich in zehn Jahren machen könnte und es sind wirklich sehr, sehr unterschiedliche Dinge. Ich könnte ein Ethnologe sein. Ich könnte ein Historiker sein. Ich könnte ein Ethno-Historiker sein. Ich könnte ein Unternehmensberater sein. Jemand, der in einer Geschichtsagentur arbeitet. Jemand, der interkulturelle Beratung anbietet. Ich könnte jemand sein, der für die Regierung arbeitet, ein Diplomat, beim Geheimdienst. Ein interkultureller Einsatzberater bei der Bundeswehr. Ich könnte auch von einem Kommilitonen überzeugt worden sein, einen alternativen Lebensstil einzuschlagen. Ich weiß nicht, es gibt so viele Unwägbarkeiten, dass ich eigentlich gar nicht sagen könnte, wo ich in zehn Jahren stehen werde. Vielleicht bin ich auch schon tot, ermordet vom Geheimdienst oder so.

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