Paleo-Ernährung: Steinzeit mal anders

 

 

Im Zusammenhang mit der Steinzeit sind es vor allem archäologische Funde oder Studien über das Wirtschaften der Jäger und Sammler, die uns Stück für Stück zeigen sollen, wie unsere Vorfahren einst gelebt haben. Was aber können wir von deren Lebensweise lernen? Ein Bericht von Anna-Lena Stauder

 

Der Mensch- ein Jäger und Sammler

Die Paläoanthropologie beschäftigt sich, als Teilgebiet der Anthropologie, im Besonderen mit der Hominisation, also der Entstehung der charakteristischen Merkmale des Menschen und  dessen Stammesgeschichte. In der paläoanthropologischen Untersuchungsweise werden auch Art der Fortbewegung, Ernährungsgewohnheiten und Sozialverhalten des Homo Sapiens und seiner Vorfahren berücksichtigt.

 

Betrachtet man die genetische Disposition des Menschen, so lässt sich feststellen, dass der heutige Mensch ein Jäger und Sammler ist, der allerdings in einer Umwelt lebt, an die die menschlichen Gene nicht angepasst sind. Diese Umwelt hat sich in den letzten 10. 000 Jahren drastisch verändert und die menschlichen Gene konnten sich an solche Veränderungen bisher nicht angleichen. Forscher glauben, dass sich die Diskrepanz zwischen genetischer Ausstattung und Umweltbedingungen in der Entstehung von sogenannten Zivilisationskrankheiten zeige. Dazu tragen zudem ein verändertes Ernährungs- und Bewegungsverhalten bei.

 

Artgerechte Ernährung

Die Paleo-Ernährung setzt hier an und orientiert sich an der ursprünglichen Ernährungsweise der Jäger und Sammler. Lebensmittel, die in ähnlicher Weise auch während der etwa 2,5 Millionen Jahre währenden Evolution des Menschen zur Verfügung standen, stehen auf dem Speiseplan. Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch, Eier, gesunde Fette, sowie Nüsse und Samen sind die Grundlagen dieser Ernährung, die den menschlichen Körper optimal mit Nährstoffen versorgen soll.

 

Lebensmittel, die dem Menschen erst im Zuge von Ackerbau und Viehzucht verfügbar wurden und seit etwa 10.000 Jahren als Ernährungsbestandteile dienen sind nicht erlaubt. Dazu zählen Getreide, Zucker, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, verarbeitete pflanzliche Fette sowie künstlich hergestellte Zusatzstoffe. Diese Nahrungsmittel, insbesondere Getreideprodukte, enthalten sogenannte Anti-Nährstoffe, die dem menschlichen Organismus schaden können. Getreide, das weltweit als Grundnahrungsmittel gilt, enthält Anti-Nährstoffe wie Gluten, Lektine oder Phytinsäure, die die Darmdurchlässigkeit fördern und die Nährstoffaufnahme hemmen.

 

Ernährung und soziale Beziehungen

Beschäftigt man sich mit Paleo näher, gelangt man schnell auch zu ernährungsübergreifenden Themen wie Fitness und Sport, gesunder Schlaf, Entspannung oder soziale Beziehungen. Der amerikanische Ethnologe Marshall Sahlins räumt in seinem Werk Stone Age Economics, mit der Vorstellung auf, dass Jäger- und Sammlergesellschaften sich in einem ständigen Existenzkampf befänden und daher kein Raum für Kultur bleibe. Er zeigt, dass Jäger und Sammler nur etwa 3-5 Stunden am Tag für die Nahrungsbeschaffung benötigen. Die restliche Zeit verbringen sie damit ausreichend lange zu schlafen und sich auf der sozialen Ebene mit Anderen auszutauschen. Schaut man sich den schnelllebigen Alltag vieler Menschen heute im Vergleich dazu an, zeigt sich, dass dieser oft wenig mit genügend Ruhe, gesundem Essen und bereicherndem sozialem Austausch zu tun hat.

 

Essen ist ein soziales Ereignis. Im nächsten Artikel soll es deshalb darum gehen, wie die Paleo-Ernährung in den sozialen Alltag integrierbar ist. Es ist ein Erfahrungsbericht eines Paleo-Neulings geplant.

 

 

 

 

Sahlins, Marshall. 1974. “The original affluent society.” In Stone Age Economics, edited by Marshall Sahlins, 1-39. London: Tavistock Publications.

 

Die Bildrechte liegen bei Vector by Vector Open Stock (https://www.vectoropenstock.com/vectors/preview/71108/evolution-of-human-work-silhouettes)

 

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